Kurzinformation
Zwangsarbeit in Österreich
I. Allgemeines
Die Historikerkommission hat den Auftrag, den gesamten Komplex "Vermögensentzug auf dem Gebiet der Republik Österreich während der NS-Zeit sowie Rückstellungen bzw. Entschädigungen (sowie wirtschaftliche und soziale Leistungen) der Republik Österreich ab 1945" zu erforschen und darüber zu berichten. In diesem Sinne wurden zum Themenbereich "Zwangsarbeit" zwei Gutachten in Auftrag gegeben:
1. Ermittlung der Zahl der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die zwischen 1939 und 1945 auf dem Gebiet der Republik Österreich eingesetzt waren, (Florian Freund/Bertrand Perz) und
2. Schätzung der Zahl der bis Mitte 2000 noch lebenden Männer und Frauen, die zwischen 1939 und 1945 als Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen auf dem Gebiet der Republik Österreich eingesetzt waren. (Mark Spoerer)
II. Was ist unter Zwangsarbeit im Nationalsozialismus zu verstehen?
Grundsätzlich ist zu sagen, dass die betroffenen Menschen auf Grund speziell nationalsozialistischer Politik geschädigt wurden, das heißt aus rassistischen oder politischen Gründen verfolgt wurden, sonstigen Zwangsmaßnahmen unterworfen waren und vielfach von Krankheit und Tod bedroht waren.
Von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus ist dann zu sprechen, wenn außerökonomischer Zwang ausschlaggebend dafür war, dass eine Person arbeitete und zwar unabhängig von ihrem Beruf und ihren Fähigkeiten, sondern alleine abhängig von ihrer Herkunft (national, ethnisch, religiös).
Spezifisch für die Zwangsarbeit sind weiters arbeitsrechtliche Sonder-bedingungen, die eine definierte Gruppe von Personen nicht nur bei Strafe zur Arbeit anhielten, sondern sie im Vergleich zu inländischen Arbeitskräften massiv diskriminierten.
"Zwangsarbeit" ist deutlich von jenen Arbeitsverhältnissen abzugrenzen, die Angehörigen des Deutschen Reiches vorübergehend oder auf Dauer aufgezwungen werden konnten, wie etwa Reichsarbeitsdienst, Dienstverpflichtung oder das .Landjahr. für Mädchen. Die Lebensumstände dieser Menschen sind insgesamt nicht mit jenen der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zu vergleichen.
III. Wichtigste Zahlen
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KATEGORIEN |
Kumulierte Zahl der überlebenden
Zwangsarbeiter u. Zwangsarbeiterinnen in der "Ostmark" 1939 - 1945
Juni 1945 |
Schätzung d. Zahl d. überlebenden Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen, die zwischen 1939 - 1945 auf dem Gebiet d. heutigen Republik Österreich arbeiteten |
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zivile Ausländer und Ausländerinnen |
rd. 757.000 Personen |
rd. 199.000 Personen |
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Kriegsgefangene |
rd. 150.000 Personen |
rd. 19.000 Personen |
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KZ-Häftlinge, ungarische Juden und Jüdinnen |
rd. 85.900 Personen |
rd. 21.000 Personen |
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GESAMT |
rd. 992.900 Personen |
rd. 239.000 Personen |
IV. Kriterien der Unterscheidungen für Berechnung und Schätzung
1. In beiden Studien werden vier Kategorien von ausländische Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen unterschieden:
a) Zivile Ausländer und Ausländerinnen
b) Kriegsgefangene
c) Ungarische Juden in "Judenlagern" und
d) KZ-Häftlinge
2. In beiden Studien werden folgende Punkte berücksichtigt:
a) Herkunftsländer der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen
b) Branchen und Wirtschaftssektoren in denen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen verpflichtet waren.
c) zeitliche Entwicklung
d) Geschlecht
3. In den beiden Studien wurden folgende Gruppen inländischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen nicht eigens berücksichtigt:
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