Presseinformation
Entzug von Mietrechten "Arisierung" und Rückstellung von Wohnungen in Wien
Die Historikerkommission hat den Auftrag, den gesamten Komplex "Vermögensentzug auf dem Gebiet der Republik Österreich während der NS-Zeit sowie Rückstellungen bzw. Entschädigungen (sowie wirtschaftliche und soziale Leistungen) der Republik Österreich ab 1945" zu erforschen und darüber zu berichten. In diesem Sinne wurden zum Themenbereich Entzug von Mietrechten zwei Berichte erstellt:
1. "Arisierung" und Rückstellung von Wohnungen in Wien. Die Vertreibung der jüdischen Mieter und Mieterinnen aus ihren Wohnungen und das verhinderte Wohnungsrückstellungsgesetz. (Brigitte Bailer-Galanda, Eva Blimlinger, Susanne Kowarc). Dieser Bericht steht exemplarisch für den Entzug von Bestandrechten. Davon betroffen waren etwa auch nationale Minderheiten wie Slowenen, Roma und Sinti sowie juristische Personen wie etwa Stiftungen, Vereine und Fonds.
2. Der Entzug von Mietrechten. Ein rechtshistorischer und rechtsdogmatischer Bericht unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungen nach der Wiedererrichtung der Republik Österreich. (Georg Graf).
1. "Arisierung" von Mietwohnungen in Wien
Am 13. März 1938 lebten in Wien ca. 190.300 Juden und Jüdinnen (nach Nürnberger Rassegesetz) in rund 63.000 Wohnungen. 60.000 dieser Wohnungen waren Mietwohnungen, zu denen auch rund 2.000 Gemeindewohnungen zählten. 3.000 waren "Hausherrenwohnungen" in Miethäusern oder Wohnungen in Eigenheimen. Bereits in den ersten Tagen nach dem "Anschluß" wurden jüdische Mieter und Mieterinnen aus ihren Wohnungen vertrieben, ihr Hausrat von den "Ariseuren" geraubt. Die "wilden Arisierungen" von Wohnungen begannen als spontane Aktionen. Alle Berichte Betroffener erzählen von den Plünderungen und dem gewaltsamen Eindringen zum Großteil bewaffneter NS-Parteigenossen, aber auch benachbarter Hausparteien. Der gesetzliche Mieterschutz war zu diesem Zeitpunkt für jüdische Mieter und Mieterinnen aber nach wie vor gültig.
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